Wieso Texte ein menschliches Lektorat brauchen

KI-Tools wie Claude, ChatGPT und Gemini können Hilfsmittel sein, wenn es um das Schreiben und Überarbeiten von Texten geht. Sie unterstützen bei kreativen Prozessen, helfen, Schreibblockaden zu überwinden, und zeigen uns Fehler auf, die wir selbst nicht sehen.

Das hilft, um den eigenen Text zu verbessern. Doch es reicht nicht, um daraus einen (sehr) guten Text zu machen.

Ich bin überzeugt: Geschichten und Sachtexte, die von Menschen gelesen und verstanden werden sollen, brauchen ein gründliches menschliches Lektorat. Wieso?

Weil eine KI kein Mensch ist.
Und somit nicht Deine Zielgruppe.

Links liegt ein Game Boy, rechts eine menschlich aussehende Häkelpuppe. Dazwischen ein Ungleichheits-Zeichen.
  • Im Gegensatz zu einer KI weiß ich, wie es sich anfühlt, so sehr in eine Geschichte zu versinken, dass ich nicht mitbekomme, wie die Sonne untergeht.
  • Ich spüre, ob Charaktere glaubwürdig sprechen und handeln oder ob nur ein oberflächliches Bild von ihnen entsteht.
  • Ich merke, wenn eine Szene zu kurz oder zu lang ist, wenn wichtige Informationen fehlen oder zu viele Details den Lesefluss stören.
  • Ich kann beurteilen, ob die Beispiele und Tipps in einem Sachtext funktionieren, weil ich sie selbst verstehe und anwenden kann (oder eben nicht).
  • Ich erkenne, ob der Stil, die Sprache, die Tonalität und die gesamte Geschichte zu der Person passen, die sie geschrieben hat, – und demnach glaubwürdig sind.

KI kann helfen, einen Text nach gewissen Regeln zu verbessern. Doch rein regelbasierte Texte sind selten die, die Menschen gerne lesen. Oder zählt die Anleitung Deines Geschirrspülers zu Deinen Lieblingslektüren?

Eine menschlich aussehende Häkelpuppe liest eine Anleitung für einen Geschirrspüler.

Du arbeitest mit KI? Dann habe ich hier ein paar Tipps für Dich:

Rein KI-generierte Inhalte sind nicht urheberrechtlich geschützt. Lässt Du komplette Absätze, Kapitel oder gar ein ganzes Buch von einer KI schreiben und bearbeitest den ausgespuckten Text nicht, sprich verleihst ihm keine „persönliche Note“, hast Du keinerlei Rechte an diesem Text.

Übernimmst Du unverändert Texte, die eine KI erstellt hat, läufst Du Gefahr, dass diese Texte die Rechte Dritter verletzen. Denn es kann passieren, dass die KI eins zu eins Teile ihrer Trainingsdaten ausspuckt, die wiederum urheberrechtlich geschützt sein können.

Denke an den Datenschutz und gib keine fremden Inhalte oder gar personenbezogene Daten in KI-Tools ein, ohne dass diejenigen, die die Rechte daran haben, zugestimmt haben.

Bevor Du eigene Texte von einer KI bearbeiten lässt, frage Dich: Möchtest Du, dass die Konzerne mit Deinen Daten Geld verdienen? Dass sie Deine mit Mühe und Liebe erstellten Texte für ihr KI-Training nutzen, ohne dass Du einen Cent dafür bekommst?

Prüfe die Service-Terms des KI-Anbieters, den Du nutzt. Erlaubt das Unternehmen Dir, den generierten Output außerhalb des Tools zu nutzen? Welche Rechte räumt der Anbieter Dir ein? Haftet er, wenn der generierte Output gegen bestehende Gesetze verstößt und/oder dadurch Schaden entsteht?

Unter gewissen Bedingungen musst Du einen Text, den Du mithilfe von KI erstellt hast, nicht als KI-generiert kennzeichnen. Da mir als Journalistin Transparenz und Glaubwürdigkeit sehr wichtig sind, finde ich es anderen gegenüber allerdings fair, jede KI-Nutzung offenzulegen, die über Recherche und Brainstorming hinausgeht.

Hinweis: Ich bin keine Juristin. Diese Tipps sind nach bestem Wissen aufgeschrieben. Sie ersetzen keine Rechtsberatung.

Mein Fazit: Als Sparringspartnerin kann eine KI eine wundervolle Stütze sein. Wirklich originelle Texte herstellen, die Menschen gerne lesen, kann sie nicht.